Schimpansen- und Gemeinde-Projekt in Bulindi (Uganda)

Schimpansen- und Gemeinde-Projekt in Bulindi (Uganda)

Hintergrund und Geschichte

Im Distrikt Hoima leben etwa 300 Schimpansen in kleinen Waldfragmenten, die über landwirtschaftlich genutztes Gebiet verteilt sind. Diesem Gebiet kommt eine besondere Bedeutung für den Schutz der Schimpansen zu, da es als eine Art Korridor die zwei grossen Schimpansenpopulationen von Bugoma und Budongo miteinander verbindet.

In Bulindi, einem Waldfragment innerhalb des Korridors, werden Schimpansen in einer Langzeit-Studie untersucht. Zwischen 2006 und 2014 wurden dort über 80% des Waldes zerstört, und die dortige Schimpansenpopulation schrumpfte von mehr als 30 Tieren auf 19. Zumindest ein Teil dieses Rückgangs kann auf menschliche Aktivitäten (wie zum Beispiel Fallenstellen) zurückgeführt werden. Die Entwaldung schreitet rasch voran und der Konflikt zwischen Schimpansen und Dorfbewohnern bleibt unvermindert hoch.

Lage der geschützten Waldgebiete von Bugoma und Budongo im Westen von Uganda. Im „Korridor“ zwischen den beiden Waldgebieten liegt ein weites Netz von ungeschützten Flussufer-Wäldern. Die Kreise zeigen die Lage des Projektgebiets in Bulindi und des geplanten Erweiterungsgebiets in Kitoba.

Das Bulindi Chimpanzee & Community Project wurde gegründet, um diesem dringenden Problem entgegenzuwirken. Die Hauptziele sind:

(1.) Schutz der stark gefährdeten wilden Schimpansenpopulationen, die in ungeschützten Waldfragmenten auf landwirtschaftlich genutztem Gebiet in Uganda leben

(2.) Erarbeiten von geeigneten Massnahmen, um das dauerhafte Zusammenleben von Menschen und Schimpansen ausserhalb von Schutzgebieten zu ermöglichen

Ein Pilotprojekt dazu wurde im Mai 2015 in Bulindi durchgeführt.

Einige Schimpansen aus der Region um Bulindi. Obere Reihe, von links nach rechts: Sylvester und Jenny, Tabitha, Georgia, Murry. Untere Reihe: Joyce, Leilas Kind, Mirinda und Maria, Araali.

Das Projekt unter der Leitung von Dr. Matthew McLennan wird vom Jane Goodall Institut Schweiz unterstützt. Es hilft den Bauern, den Wald auf ihrem Land, der für das Überleben der Schimpansen von entscheidender Bedeutung ist, zu schützen. Unter anderem werden den Bauern Alternativen zur Abholzung geboten, es wird in die Ausbildung ihrer Kinder investiert und es wird ihnen dabei geholfen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Teilnahme ist freiwillig, doch Teilnehmer müssen sich verpflichten, keinen weiteren Wald auf ihrem Land zu roden und dem Projekt helfen, neue Bäume zu pflanzen.

Bis jetzt erreicht:
  • Entwaldung aufhalten: Durch Unterstützung lokaler Haushalte in Schlüsselbereichen (wie Schulkosten, Holzanbau, Hausbau, Kaffeepflanzung) konnte das Pilotprojekt in Bulindi erfolgreich weitere Rodung von Naturwald durch die beteiligten Haushalte verhindern.
  • Regeneration des Korridors durch Anpflanzen von Bäumen: Das Projekt führt eine weitflächige Kampagne zu Pflanzung neuer Bäume durch. Zu diesem Zweck wurden bisher über 200’000 Baumsetzlinge in Baumschulen aufgezogen, darunter schnell wachsende exotische Arten für den Holzbedarf, einheimische Baumarten zur Bereicherung des Waldes, und Kaffeebäume als Einnahmequelle zur Verbesserung lokaler Einkommen.
  • Investition in Schulbildung: Der Druck auf die Eltern, Geld für die Ausbildung der Kinder zu generieren, wird oft als Grund angeführt, warum im Distrikt Hoima Wald gerodet wird. Kinder verlassen normalerweise die Schule, weil die Familie zu wenig Geld hat, um die Schulgebühren zu bezahlen. Das Projekt unterstützt Schulkinder von waldbesitzenden Haushalten. Keines der durch das Projekt unterstützten Kinder hat die Schule abgebrochen, und mehrere Jugendliche haben mit Unterstützung durch das Projekt Berufsschulen besucht.
  • Unterstützung der Gemeinden: Das Projekt versorgt Haushalte mit Engergiespar-Kochherden. Da diese weniger Holz verbrauchen, muss weniger Wald für Brennholz gerodet werden. Ausserdem werden neue Wasserlöcher gebaut, um die Haushalte mit frischem Wasser zu versorgen. Dadurch sinkt die Zahl von möglicherweise gefährlichen Begegnungen zwischen Schimpansen und Dorfbewohnern, die Wasser aus Waldbächen holen.
  • Zusammenarbeit mit lokalen Partnern: Das Projekt hat den teilnehmenden Haushalten geholfen, ihr eigenes ‚Friends of Nature’-Komitee zu gründen, um den Zusammenhalt und den Dialog unter den Waldbesitzern zu fördern, eine aktive Teilnahme am Projekt zu unterstützen, die Projektziele zu verstehen und die Teilnahmebedingung zu erfüllen (das heisst, keinen Wald abzuholzen). Das Komitee gedeiht und ist aktiv engagiert an den Projektzielen.
  • Toleranz gegenüber Schimpansen verbessern: Als Teil des Projekts werden die Schimpansen von Bulindi täglich kontrolliert. Diese Langzeit-Kontrollen durch Projektmitarbeiter sind in den umliegenden Dörfern bestens bekannt und daher gut geeignet, um Konflikte zwischen Menschen und Schimpansen zu entschärfen (zum Beispiel, wenn Schimpansen Felder plündern). Obwohl es schwierig ist, die Erfolgsquote dieser Bemühungen objektiv einzuschätzen, sieht es zumindest so aus, als ob das Projekt den gewünschten Effekt hätte, die Konflikte zu reduzieren und die Toleranz gegenüber den Schimpansen zu erhöhen. Inoffiziell haben sich mehrere Dorfbewohner in Bulindi dahingehend geäussert, dass sie dank des Projekts davon profitieren, den Wald und die Schimpansen zu schützen. Auch wurde ausgesagt, dass die nicht-finanziellen Anreize auch das Wohlwollen derjenigen Dorfbewohner fänden, die zuvor bereits ihren Wald gerodet hatten und daher nicht von der Schulungsförderung ihrer Kinder profitieren konnten, nun aber bereit seien, den Wald auf ihrem Land wieder regenerieren zu lassen.