Das Jane Goodall Institut feiert 60 Jahre Gombe

Das Jane Goodall Institut feiert 60 Jahre Gombe
14th Juli 2020 administrator

Am 14. Juli 2020 feiert das Jane Goodall Institut auf der ganzen Welt ein besonderes Jubiläum. An diesem Tag vor genau 60 Jahren betrat die junge Jane Goodall zum ersten Mal den heutigen Gombe Stream Nationalpark in Tansania, um ihre berühmten Schimpansenstudien zu beginnen. Ihre Entdeckungen waren wegweisend für unser heutiges Verständnis dieser wundervollen Tiere und uns selber, ermöglichten Innovationen im Artenschutz und führten dazu, dass wir heute noch Hoffnung haben, die Schimpansen und ihre Wälder in Gombe und anderswo in Afrika in die Zukunft retten zu können.

 

Das Vermächtnis

Die zahlreichen Entdeckungen von Jane Goodall in Gombe haben bis zum heutigen Tag eine grosse Ausstrahlung auf mehrere Generationen von Forschenden. Seit den 1960er Jahren entstanden hier von über 275 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr als 300 Publikationen und fast 50 Doktortitel und Master-Abschlüsse an Universitäten weltweit.

Jane Goodalls Arbeit in Gombe erreichte besonders viele Frauen, für die sie als charismatische Pionierin der Verhaltenswissenschaften im Freiland eine wichtige Vorbildrolle übernahm. Dies trug dazu bei, dass heute auf diesem Gebiet der Naturwissenschaften der Frauenanteil vergleichsweise hoch ist.

 

Gombe 60 JGI Schweiz

Jane Goodall ist ein Vorbild besonders für Frauen, die sich für eine Karriere in den Verhaltenswissenschaften entscheiden.


“Viele sagten zu mir: “Was willst du denn in Afrika, du bist doch nur ein Mädchen!”. Doch meine Mutter sagte immer: “Wenn du etwas wirklich möchtest, musst du hart arbeiten. Du musst jede Gelegenheit nutzen und darfst nie aufgeben”. Diese Botschaft habe ich zu vielen jungen Menschen auf der ganzen Welt gebracht. ” – Jane Goodall


Wichtige Entdeckungen

60 Jahre Forschung in Gombe haben zahlreiche Erkenntnisse geliefert, die unser Verständnis für den Ursprung des Menschen und unsere Beziehung zum Rest des Tierreichs geprägt haben.

Jane Goodalls berühmte Beobachtung, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und benutzen, zählt zu einer der wichtigsten Erkenntnisse des 20 Jahrhunderts. Denn bis dahin galt Werkzeuggebrauch als Merkmal, das den Menschen definiert und vom Rest des Tierreichs abhebt. Die Beobachtung schärfte unseren Blick dafür, dass es keine scharfe Trennlinie gibt zwischen Menschen und dem Rest des Tierreichs.

Jane Goodalls Beschreibung der Schimpansen von Gombe als fühlende und denkende Wesen stiess in den Verhaltenswissenschaftlern anfänglich auf Entsetzen. Denn diese hielten es damals für unmöglich, unsichtbare innere Vorgänge wie Denken und Fühlen von Tieren wissenschaftlich zu erforschen und klammerten diese aus ihrer Arbeit aus. Jane Goodalls Unkenntnis dieser Überlegungen – sie trat die Gombe-Studie ganz ohne universitäre Vorbildung an – und ihr intuitiver, unverstellter Blick auf die Natur der Schimpansen legten die Grundlage für die Erforschung von Emotionalität und Intelligenz von Tieren, die heute aktueller ist denn je.

 

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Links: Jane Goodall übertrug ihre Verhaltensbeobachtungen jeden Abend von Hand aus ihren Feldnotizbüchern in ein Journal. Rechts: Jane Goodalls handgeschriebene Notizen aus den frühen 1960er Jahren.
Photo Credit: Jane Goodall Institut


“Die Schimpansen haben mir sehr viel gegeben. Was ich von ihnen gelernt habe, hat mein Verständnis über das Verhalten des Menschen und über unseren Platz in der Natur geprägt. ” – Jane Goodall


 

Weitere wichtige Entdeckungen waren, dass männliche Schimpansen allein oder im Verband andere Tiere wie Colobusaffen oder Buschschweine jagen, um Fleisch zu fressen – und nicht etwa wie bis dahin angenommen Vegetarier sind. Die Rollenteilung bei der gemeinsamen Jagd setzt ein grosses Mass an Intelligenz voraus.

Mit Entsetzen wurde Jane Goodall auch erste Zeugin, dass Schimpansen neben ihrer Fähigkeit zu Kooperation und Mitgefühl auch eine äusserst dunkle, brutale Seite haben: In den Jahren zwischen 1974 bis 1978 kam es in Gombe zum berühmten Schimpansenkrieg. Die Männer, die jahrelang friedlich in der Kasekela-Gruppe zusammengelebt hatten, teilten sich plötzlich in zwei Untergruppen auf, die sich so lange bekriegten, bis alle Mitglieder der Kahama-Untergruppe getötet waren. Dieser Krieg war wahrscheinlich das Ergebnis eines Machtkampfes von drei hochrangigen Männchen um die fruchtbaren Weibchen in der Gruppe.

Die berühmten G- und F-Schimpansenfamilien, die Jane Goodall in den 1960er Jahren zu beobachten begann, werden heute noch vom Team rund um den Leiter des Gombe Forschungszentrums Deus Mjungu wissenschaftlich begleitet. Dies führte zu einem unvergleichlichen Schatz an Wissen über diese Tiere. Zum Beispiel zu 40 vollständigen Biografien wildlebender Schimpansen von der Geburt bis zum Tod. Dieses Wissen ist für sich alleine und als Grundlage für weiterführende Studien von unvorstellbarem Wert.

 

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Mitglieder der G-Familie: Gremlin mit ihrem Baby Goodali, 2019.
Photo Credit: Shadrack Samson / Jane Goodall Institut

 

Schimpansen schützen

Die jahrzehntelange Erfahrung, die Jane Goodall und das Jane Goodall Institut in Gombe sammeln konnten, hatten einen grossen Einfluss, wie wir heute Natur- und Artenschutz betreiben.

Im Pionierprojekt TACARE in der Region rund um Gombe wurde bereits in den 1990er Jahren klar: Artenschutz ohne Menschen ist unmöglich. Nur wenn die Menschen in den Nachbardörfern eng in die Schutzmassnahmen eingebunden sind, nur wenn sie ein Interesse daran haben, dass Gombe existiert, haben der Wald und seine Schimpansen eine Überlebenschance. Dieser Grundgedanke zieht sich heute durch alle Schutzprojekte vom Jane Goodall Institut in Afrika.

TACARE hatte in den 1990er Jahren als Pilotprojekt in zwölf Dörfern begonnen. Entscheidungsträger, Dorfbewohner und Jane selber tauschten sich damals darüber aus, was die Menschen benötigen. Nur so konnten sie gemeinsam Lösungen finden, die das Wohl der Menschen und den Schutz des Waldes gleichzeitig fördern.

 

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Das Dorf Mwangongo am Nordrand von Gombe war früh Teil von TACARE.

 

Daraus entstand ein Schimpansenschutz, der die Eigenverantwortung der Menschen bei Entscheidungen in der Landnutzungsplanung, der Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und nachhaltiger Lebensgrundlagen und durch Zugang zu Bildung fördert.

TACARE ist heute in 104 Dörfern und im grössten Teil des Lebensraumes der Schimpansen im westlichen Tansania aktiv und arbeitet erfolglreich mit Regierung und nationalen sowie internationalen Organisationen zusammen.

 


“Es ist eine Philosophie. Es stellt die Art und Weise auf den Kopf, wie unsere Gesellschaft in den Naturschutz investiert und den lokalen Gemeinschaften Eigenverantwortung überträgt.“
Lilian Pintea, Jane Goodall Institut


 

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Im Zentrum aller Projekte vom Jane Goodall Institut in Afrika steht der Gedanke, dass Mensch und Natur nur gemeinsam florieren können. Grün: aktuelle Projektregionen. Türkis: geplante Projektregionen.

 

Informieren Sie sich hier, wie sich unsere amerikanischen Kolleginnen und Kollegen ausserdem neuster Technologien zum Schutz der Schimpansen und ihrer Wälder in Afrika bedienen.

 

Hoffnung für die Zukunft

An diesem 14. Juli 2020 schauen wir gemeinsam zurück auf 60 Jahre harte, kontinuerliche Arbeit in Gombe. Wir blicken mit Stolz auf die zahlreichen Erfolge, aber auch mit Hoffnung in die Zukunft dieses besonderen Ortes, der nicht nur das schlagende Herz unserer Organisation ist, sondern auch wie kaum ein anderer auf der Welt tausende Menschen mit der Natur verbindet. Er weckt das Interesse an der bemerkenswerten Person Jane Goodall und ihrer Geschichte, an der Natur wildlebender Schimpansen und an der Fürsorge allen Lebens auf der Erde.

Wir danken Ihnen ganz herzlich, dass Sie dieses Interesse mit uns teilen und mithelfen, diesen besonderen Ort gemeinsam mit uns in die Zukunft zu tragen. Damit auch die kommenden Generationen von seiner atemberaubenden Schönheit und seinem unschätzbaren Wert erfahren, die es für weitere 60 Jahre zu erhalten gilt – und weit darüber hinaus.

 

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