Von Zara Bending, Jane Goodall Institut Global
In der Nacht auf den 24. November verschwanden drei junge Schimpansen aus dem N’Sele-Zoo in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo). Der Vorfall, der inzwischen als Diebstahl behandelt wird und bei dem auch drei Vögel entwendet wurden, ist nur einer in einer langen Reihe von Fällen, die vermutlich mit dem grenzüberschreitenden illegalen Handel mit Menschenaffen in Verbindung stehen.
Der Diebstahl ereignete sich unmittelbar vor der 20. Konferenz des CITES-Übereinkommens, die vom 24. November bis 5. Dezember 2025 in Samarkand, Usbekistan stattfindet. Das Übereinkommen ist seit 50 Jahren in Kraft – ein Meilenstein für das internationale Forum – und zählt aktuell 185 Vertragsparteien.
Wir befinden uns an einem entscheidenden Punkt für viele bedrohte Arten, auch für die Schimpansen. Im Vorfeld der Konferenz äusserte das Jane Goodall Institut Bedenken über die Integrität des Handels, der über das Genehmigungssystem des Abkommens abgewickelt wird. Es forderte die Vertragsparteien auf, Massnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass der internationale Handel das Überleben der Menschenaffen in ihren natürlichen Lebensräumen nicht gefährdet. Diese Bedenken werden auch in einer Stellungnahme der Sektion «Menschenaffen» der Spezialistengruppe für Primaten der IUCN Artenschutzkommission (IUCN Species Survival Commission, Primate Specialist Group, Section on Great Apes) geäussert.
«Schimpansen verschwinden aus der Wildnis, während gleichzeitig einzelne Tiere und ganze Gruppen aus Schutzeinrichtungen und Zoos verschwinden. Wir kennen vielleicht nicht das endgültige Ziel all dieser Tiere, aber wir wissen, dass viele in den internationalen Handel eingeschleust werden – in einem Ausmass, das von den aktuellen Daten nicht abgebildet wird. Es gibt Schweigekartelle, die gestützt werden durch Korruption und vom «Geschäft des Bösen» profitieren, wie Jane Goodall selbst es nannte. Wie viele Diebstähle, gefälschte Genehmigungen, missbräuchliche Herkunftscodes, gefälschten Deklarationen, die den illegalen Transport ermöglichen, oder Auffälligkeiten in Export- und Importdaten braucht es noch, bevor mehr unternommen wird? Wir rufen die Vertragsparteien von CITES dazu auf, entschlossener gegen den illegalen Handel vorzugehen und die Integrität des eigenen Regelwerks zu schützen, um das Leitprinzip eines ‚legalen, nachhaltigen, rückverfolgbaren‘ Handels zu erfüllen. Der Handel mit Schimpansen findet in industriellem Ausmass statt – wir müssen jetzt handeln.»
– Dr. Zara Bending, Fachexpertin für Wildtierkriminalität und internationales Recht bei JGI Global.
Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass der illegale Handel in grossem und alarmierendem Umfang stattfindet – mit der Folge, dass ganze Arten an den Rand des Aussterbens gedrängt werden, Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten und unvorstellbares Leid für die betroffenen Wildtiere entsteht. Beteiligt sind Netzwerke organisierter Kriminalität, die in industriellem Massstab operieren, wie regelmässige grosse Beschlagnahmungen von Wildtieren zeigen. Darunter befinden sich Ameisen, Aale, Rosenholz, Pangolinschuppen, und viele Arten mehr.
Zudem ist klar, dass Regierungsbeamte, einschliesslich solcher, die im Rahmen der CITES-Umsetzung tätig sind, den Handel teilweise erleichtern – sei es absichtlich durch gefälschte CITES-Dokumente oder unabsichtlich aufgrund mangelnder Ausbildung, unzureichender Durchsetzungskapazitäten oder grober Fahrlässigkeit. Es gibt weit verbreitete Bedenken, dass es an der Sorgfaltspflicht bei der Umsetzung des CITES-Abkommens fehle, etwa wenn Herkunftscodes von gehandelten Menschenaffen nicht sorgfältig geprüft werden oder wenn Grenzbeamte nicht in der Lage oder bereit sind, transportierte Exemplare korrekt zu identifizieren.
Angesichts der inzwischen allgemein bekannten Vorfälle der vergangenen Jahre – einschliesslich der Entführung von und Lösegeldforderungen für junge Schimpansen – und der Tatsache, dass alle Menschenaffen gemäss Anhang 1 von CITES den grösstmöglichen Schutz vor illegalem internationalem Handel geniessen, sollte jeglicher Handel gründlich hinterfragt werden. Ein Vorsorgeprinzip muss gelten, insbesondere bei grossen Mengen von Wildtieren, die an Länder ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes geliefert werden, wie im Dokument SC79 Doc. 6.3.4 und darüber hinaus beschrieben.
Wir unterstützen daher nachdrücklich Ugandas Vorschläge zuhanden der Konferenz (siehe Dokument CoP20 Doc. 78.2), einschliesslich der Einrichtung einer CITES-Arbeitsgruppe zur Durchsetzung des Schutzes von Menschenaffen. Als Mitglied von UNEP GRASP anerkennt das Jane Goodall Institut die wichtige Arbeit dieser Partnerschaft, welche die Akteure zum Schutz der Menschenaffen zusammenbringt; ihr Mandat umfasst jedoch nicht die Durchsetzung – und Durchsetzung ist jetzt entscheidend. CITES muss sein eigenes Regelwerk innerhalb seiner eigenen Strukturen durchsetzen, unterstützt durch Gruppen wie UNEP GRASP.
Das Jane Goodall Institut betrauert aktuell den Verlust unserer geliebten Gründerin Jane Goodall. Wir führen unser Engagement für Jane Goodalls Vermächtnis weiter. Ihre lebenslange Arbeit für ein besseres Verständnis und den besseren Schutz von Schimpansen, anderen Menschenaffen und ihren Lebensräumen leitet unsere Arbeit und unseren Dialog mit den Vertragsparteien bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen.

