Eine neue Insel für die Tchimpounga-Schutzstation

Eine neue Insel für die Tchimpounga-Schutzstation

Mit rund 170 Schimpansen ist Tchimpounga in der Republik Kongo die grösste Schimpansen-Schutzstation Afrikas. Viele der Tiere, die hier ankommen, haben ihre Mütter durch Wilderei verloren oder wurden aus dem illegalen Wildtierhandel beschlagnahmt. Oft sind sie noch ganz jung, traumatisiert und auf menschliche Fürsorge angewiesen, die ihnen ihre Mütter nicht mehr geben können.

Was passiert mit einem Schimpansen, der nie lernen konnte, wie man in der Wildnis überlebt?

Genau vor dieser Frage steht das Team von Tchimpounga jeden Tag. Anders als bei vielen anderen Tierarten ist eine Auswilderung von Schimpansen nicht immer die beste Lösung. Sie lernen während ihrer Kindheit über viele Jahre hinweg von ihren Müttern und ihrer Gruppe, welche Nahrung essbar ist, wie man Nester baut und soziale Interaktionen navigiert. Fehlt dieses Wissen, kann ein Leben in Freiheit schnell zur Gefahr werden.

Eine neue Insel für die Tchimpounga-Schutzstation
César in der Schutzstation Tchimpounga. © JGI / Fernando Turmo

Gleichzeitig bedeutet ein dauerhaftes Leben in menschlicher Obhut eine enorme Verantwortung. Schimpansen können 50 Jahre alt und mehr werden und benötigen dementsprechend jahrzehntelang einen sicheren Ort zum Leben.

Leider ist die Realität, dass immer wieder neue Tiere gerettet werden müssen und in die Schutzstation gebracht werden. Während die älteren Bewohner bleiben, kommen laufend weitere Jungtiere dazu, die ohne Hilfe keine Überlebenschance hätten. Die Zahl der Schimpansen in Tchimpounga wächst deshalb stetig und damit auch der Bedarf an Platz.

Schimpansen Tchimpounga-Schutzgebiet lebt.
Die Kindergartengruppe wächst immer weiter. Hier haben sie wohl etwas sehr Spannendes entdeckt. © JGI / Fernando Turmo

Die Schutzstation verfolgt einen besonderen Ansatz, dieses Problem zu lösen: Sie besitzt bewaldete Inseln als semi-natürlicher Lebensraum für die Tiere.

Neue Insel für die Tchimpounga-Schutzstation: ein kleines Paradies

Mitten im Kouilou-Fluss liegen mehrere bewaldete Inseln, die den Schimpansen ein Leben in einer natürlichen Umgebung ermöglichen. Da Schimpansen nicht schwimmen können, bildet der Fluss eine natürliche Grenze.

Die Unterbringung der Schimpansen auf diesen Inseln ist die bestmögliche Lösung für die Tiere. Sie bieten ihnen naturnahe Lebensbedingungen, wo sie klettern, Nahrung suchen, soziale Beziehungen pflegen und den Wald erkunden können. Gleichzeitig sind sie geschützt vor den Gefahren, denen sie ausserhalb des Schutzgebietes ausgesetzt wären.

PERRINE ist eine Schimpansin, die auf der Insel Banga im Schutzgebiet Tchimpounga lebt.
Obwohl Schimpansen nicht schwimmen können, erkundet Perrine auf der neuen Insel Banga Island neugierig die Pfützen. © JGI / Fernando Turmo

Im vergangenen Jahr konnte dieses einzigartige Schutzgebiet um eine weitere solche Insel erweitert werden! Mit Banga Island kam eine Insel hinzu, die zusätzlichen Platz für die wachsende Gemeinschaft schafft. Ein kleines Paradies für die Jüngsten der Schutzstation.

Ein neuer Anfang für die Kleinsten

Zu den ersten Bewohnern von Banga Island gehören die Mitglieder der sogenannten Kindergartengruppe.

Aymard ist ein männlicher Schimpanse, der auf der Insel Banga im Schutzgebiet Tchimpounga lebt.
Aymard gehört zu den Älteren der neu umgezogenen Kindergartengruppe. © JGI / Fernando Turmo 

Vor Kurzem durften die Kinder auf die neue, bewaldete Insel umziehen. Tagsüber streifen sie durch den Wald und sammeln wichtige Erfahrungen, die sie zum Überleben in der Wildnis benötigen würden. Nachts schlafen sie in einem geschützten Gebäude, während ihre Tierpflegerinnen und Tierpfleger ebenfalls auf der Insel bleiben. Für die Jungtiere ist diese Umgebung ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg zu einem möglichst natürlichen Leben.

Eine neue Insel für die Tchimpounga-Schutzstation
Die Kindergartengruppe streift auf der neuen Insel herum und gibt sich gegenseitig Halt. © JGI / Fernando Turmo 

Eine der jüngsten Bewohnerinnen ist Perrine. Seit ihrem Umzug hat sie eine ganz besondere Leidenschaft entwickelt: Wasser. Neugierig erkundete Perrine Pfützen und kleine Bäche und badete sogar darin. Ein ungewöhnliches Verhalten für Schimpansen, die Wasser normalerweise eher meiden.

Für das Team ist dies ein schönes Zeichen. Perrine scheint sich auf ihrer neuen Insel so wohl und sicher zu fühlen, dass sie ihre Umgebung mutig erkundet und Neues ausprobiert. Für ein Schimpansenkind, das traumatisiert und am Rande des Todes in die Schutzstation kam, berührt diese Entwicklung unser Herz.

PERRINE ist eine Schimpansin, die auf der Insel Banga im Schutzgebiet Tchimpounga lebt.
Perrine in ihrem neuen Element: Wasser. © JGI / Fernando Turmo

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