FALLENENTFERNUNGSPROGRAMM IM KIBALE FOREST (UGANDA)

Kibale Fallenentfernungsprojekt (Uganda)

 

Der Kibale Nationalpark im Westen Ugandas ist äusserst artenreich. Auf seiner Fläche von fast 800 Quadratkilometern leben 70 Säugetierarten, mindestens 375 Vogel- und 351 Baumarten – die Vielfalt der anderen Tiere und Pflanzen hier können wir nur erahnen. Hier lebt die grösste Schimpansenpopulation Ugandas: es wird geschätzt, dass es 1’450 Tiere sind, die in 13 Gemeinschaften leben.

Obwohl der Wald den höchsten Schutz im Land geniesst, ist Wilderei hier weit verbreitet. Es ist zwar nicht landesüblich,  Menschenaffen als Delikatesse zu verzehren – trotzdem leiden die Schimpansen unter der Wilderei. Und zwar durch die Fallen, die hier in grosser Zahl gestellt werden. Meist handelt es sich um einfache Drahtschlingen, hergestellt aus Bremskabeln von Motorrädern, seltener auch um Eisenfallen. Die Fallen zielen nicht auf die Schimpansen ab – Ziel der Wilderei sind kleinere Tiere wie Waldantilopen oder Buschschweine. Doch die Fallen unterscheiden nicht zwischen den Arten und treffen alle – auch die Schimpansen. Es wird geschätzt, dass ein Drittel aller Kibale-Schimpansen unter der Verstümmelung durch Schlingenfallen leiden.

 

Wenka verlor als junges Weibchen vier Finger ihrer linken Hand

 

Die Funktionsweise der Drahtschlingen ist einfach: sobald ein Tier hineinsteht, wird ein Mechanismus ausgelöst, der die Schlinge zuzieht. Der Draht legt sich um Finger, Zehen, Arme oder Beine. Je stärker die Tiere am Draht ziehen, um sich aus den Schlingen zu befreien, desto tiefer schneidet sich dieser in ihr Fleisch. Kleinere Tiere bleiben an Ort gefangen und werden von den Wilderern dort gefunden und erlegt.

Schimpansen aber haben die Kraft, die Fallen samt den Ästen, an denen sie befestigt sind, mit sich mitzureissen. So schleppen sie die Fallen oft tage- und wochenlang hinter sich her, während die betroffenen Extremitäten – durch den engen Draht abgeschnitten von der Blutversorgung – langsam abfaulen. Die Schmerzen, die die Tiere in dieser Zeit erleiden, können wir nur erahnen. Manche Tiere kommen mit Verstümmelungen davon, andere sterben durch Infekte.

Um die Schimpansen und alle anderen Tiere im nordwestlichen Teil des Waldes besser zu schützen, etablierte das Kibale Chimpanzee Project 1997 gemeinsam mit dem Jane Goodall Institut das Kibale Fallenentfernungsprojekt.

Ziel dieses Projektes ist es, die Anzahl Fallen im Wald zu senken, um das Risiko der Tiere vor Verstümmelung und Tod zu vermindern. Dazu hat das Projekt zwei Teams von Rangern angestellt, die während 26 Tagen pro Monat im Wald patrouillieren, die Fallen suchen und zerstören, alle anderen illegalen Aktivitäten im Wald registrieren und die Dichte der Wildtiere bestimmen.

In Zusammenarbeit mit den Behörden (der Uganda Wildlife Authority UWA) und der NGO Kasiisi Project besuchen die Ranger regelmässig Dörfer und Schulklassen, um Kinder und Erwachsene über die Bedeutung der Schimpansen im nahen Wald und die Folgen des Fallenstellens aufzuklären.

 

Schimpansenmann Lanjo versucht, die Drahtschlinge an seinem aufgeschwollenen Fuss mit den Zähnen zu entfernen (Foto: Erik Scully)

Schimpansenmann Lanjo versucht, die Drahtschlinge an seinem aufgeschwollenen Fuss mit den Zähnen zu entfernen (Foto: Erik Scully)

 

Bis jetzt erreicht

Fallen finden und entfernen Im Durchschnitt finden die Ranger seit Projektbeginn rund 44 Fallen pro Monat. Drahtschlingen sind der häufigste Fallentyp, aber das Team findet auch Trittfallen und Grubenfallen vor, letztere zielen auf Elefanten ab. Die Beobachtungsdaten der Ranger liefern wichtige Hinweise auf die Vorgehensweise der Wilderer. So werden zum Beispiel signifikant weniger Fallen innerhalb des Streifgebiets der Kanyawara-Schimpansen gefunden, die kontinuierlich beobachtet werden. Es ist naheliegend, dass die Anwesenheit der Forschungsteams in diesem Gebiet eine abschreckende Wirkung hat.

 

Trittfalle aus Metall mit gespannten Schlagbügeln (links), und Grubenfalle für Elefanten (rechts).

Trittfalle aus Metall mit gespannten Schlagbügeln (links), und Grubenfalle für Elefanten (rechts).

Tierärztliche Interventionen Geraten Schimpansen in diese Fallen, verletzen sie sich häufig sehr schwer. Dies vor allem beim Versuch, sich von der Drahtschlinge zu befreien. Die Verletzungen können zum Verlust von Gliedmassen oder – oft nach einer langen Zeit des Leids – zum Tod der Tiere führen. Wird ein Tier mit einer Falle gesichtet, werden Notfall-Tierärzte alarmiert, die innerhalb eines Tages vor Ort sein können. Sie sedieren die Tiere, entfernen die Fallen und versorgen die Wunden. Von Fallen betroffene Schimpansen können dank solcher Einsätze gerettet werden.

Aufklärung Die Ranger des Fallenentfernungsprojektes arbeiten eng mit dem Kasiisi-Projekt zusammen. Gemeinsam organisieren sie Workshops mit den Schulen am Rand des Kibale Nationalparks zum Thema Schimpansenschutz. Schulkinder, die diese Workshops besuchen, haben eine positivere Einstellung gegenüber Schimpansen als Kinder von Schulen, die von den Workshops nicht erreicht werden.

 

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