FALLENENTFERNUNG IM KIBALE NATIONALPARK

Fallenentfernung und tierärztliche Intervention im Kibale Nationalpark

Das Team des Kibale-Projektes im Jahr 2021. Emily Otali (links) und Maggie Kobusingye (rechts) leiten das zehnköpfige Ranger-Team an.

Im artenreichen Kibale Nationalpark im Westen Ugandas leben gemäss Schätzungen 1’450 Schimpansen in 13 Gemeinschaften. Es ist die grösste Schimpansenpopulation im Land.

Obwohl der Wald den höchsten Schutz im Land geniesst, ist Wilderei hier weit verbreitet. Es ist zwar nicht landesüblich,  Menschenaffen als Delikatesse zu verzehren – trotzdem leiden die Schimpansen unter der Wilderei. Und zwar durch die Fallen, die hier in grosser Zahl gestellt werden. Meist handelt es sich um einfache Drahtschlingen, hergestellt aus Bremskabeln von Motorrädern, seltener auch um Eisenfallen. Die Fallen zielen nicht auf die Schimpansen ab, sondern auf kleinere Tiere wie Waldantilopen oder Buschschweine. Doch die Fallen treffen alle Arten, auch die Schimpansen. Gemäss Schätzungen leidet ein Drittel aller Kibale-Schimpansen unter Verstümmelungen durch Schlingenfallen.

Die Funktionsweise der Drahtschlingen ist einfach: sobald ein Tier hineinsteht, wird ein Mechanismus ausgelöst, der die Schlinge zuzieht. Der Draht legt sich um Finger, Zehen, Arme oder Beine. Je stärker die Tiere am Draht ziehen, um sich zu befreien, desto tiefer schneidet sich dieser in ihr Fleisch. Kleinere Tiere bleiben an Ort gefangen und werden von den Wilderern dort gefunden und erlegt.

Schimpansen aber haben die Kraft, die Fallen samt den Ästen, an denen sie befestigt sind, mit sich mitzureissen. So schleppen sie die Fallen oft tage- und wochenlang hinter sich her, während die betroffenen Extremitäten – durch den engen Draht abgeschnitten von der Blutversorgung – langsam abfaulen. Die Schmerzen, die die Tiere in dieser Zeit erleiden, können wir nur erahnen. Manche Tiere kommen mit Verstümmelungen davon, andere sterben durch Infekte.

Schimpansenmann Lanjo versucht, die Drahtschlinge an seinem aufgeschwollenen Fuss mit den Zähnen zu entfernen. © Erik Scully)

Um die Schimpansen und alle anderen Tiere besser zu schützen, etablierte das Kibale-Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Richard Wrangham 1997 gemeinsam mit den Jane Goodall Instituten der Schweiz, Österreich und den Niederlanden das Kibale Fallenentfernungsprojekt.

Ziel der Ranger-Teams ist es, die Anzahl Fallen im Wald zu senken, um das Risiko der Tiere vor Verstümmelung und Tod zu vermindern. Derzeit sind drei Teams von Rangern angestellt, die während 26 Tagen pro Monat im Wald patrouillieren, die Fallen suchen und zerstören, alle anderen illegalen Aktivitäten registrieren und die Dichte der Wildtiere bestimmen.

In Zusammenarbeit mit den Behörden (der Uganda Wildlife Authority UWA) und der NGO Kasiisi Project besuchen die Ranger regelmässig Dörfer und Schulklassen, um Kinder und Erwachsene für die Bedeutung der Schimpansen im nahen Wald und die Folgen des Fallenstellens zu sensibilisieren.

Seit 2022 beschäftigt das Projekt ausserdem zwei Tierärzte, die im Wald stationiert sind und Notfall-Interventionen durchführen, sobald ein Tier in Not entdeckt wird. Sie sind in der Lage, verletzte Tiere vor Ort zu sedieren, den Draht von ihrem verletzten Körperteil zu entfernen und die Wunden zu versorgen. Die Tiere werden begleitet, bis sie vollständig aus der Narkose aufgewacht sind und im Wald verschwinden.

Wirkung

Fallen finden und entfernen Seit Projektbeginn im Jahr 1997 zerstörten die Ranger im Durchschnitt 46.7 Fallen pro Monat. Über die Jahre ist die Zahl der Fallen, die ein einziges Team fand und zerstörte, gesunken. Dies steht im direkten Zusammenhang mit der Präsenz unserer Teams im Wald. Während anfangs nur ein einziges Team im Einsatz war, sind es heute drei Teams, die ein grösseres Gebiet abdecken können.

Drahtschlingen sind der häufigste Fallentyp, aber das Team findet auch immer wieder Tritt- und Grubenfallen. Letztere zielen auf die Waldlefanten ab, die ganze Ernten der Kleinbauern am Waldrand zerstören können.

Durchschnittliche Anzahl Fallen, welche die Ranger jedes Jahr pro Monat zerstören. Aus den Jahren 2001-2003 sind keine Daten verfügbar. Die rote Linie zeigt, dass die Ranger zwischen 1997 und 2022 im Durchschnitt 44,4 Schlingen pro Monat zerstörten. Die blaue Linie zeigt die durchschnittliche Anzahl von 56,4 Fallen pro Monat, die im Zeitraum 2016-2022 zerstört werden konnte. Bis 2013 war ein eiziges Ranger-Team im Einsatz (graue Balken), zwischen 2014 und 2020 zwei (grüne Balken), und seit 2021 drei Teams (orange Balken).

Tierärztliche Interventionen Sofern die verletzten Schimpansen sediert werden können – dies ist ein äusserst schwieriges Unterfangen bei Tieren, die in Angst auf die Bäume flüchten – führen die Interventionen der beiden Tierärzte zu einer 100%igen Genesung innert weniger Wochen. Der Verlust von Händen, Füssen, Fingern und Zehen und die damit einhergehende Verschlechterung der Lebensqualität der betroffenen Tiere können vollständig vermieden werden.

Sensibilisierung Die Ranger des Kibale-Projektes arbeiten eng mit dem Kasiisi-Projekt zusammen, das seit 1997 an 16 Schulen am Rande des Kibale Nationalparks über 8000 Kinder für die Umwelt sensibilisiert. Gemeinsam führen sie Workshops für Kinder und Erwachsene zum Thema Schimpansenschutz durch. Schulkinder, die diese Workshops besuchen, haben nachweislich eine positivere Einstellung gegenüber Schimpansen und dem Wald als Kinder von Schulen, die von den Workshops nicht erreicht werden.

Ja, ich möchte das Kibale Fallenentfernungsprojekt in Uganda mit einer Spende unterstützen