Jennys ausserordentliche Reise

Jennys ausserordentliche Reise
11th März 2019 administrator

von Jacqueline Rohen, Bulindi-Schimpansenprojekt, Hoima – UgandaÜbersetzung: Jane Goodall Institut Schweiz

Jennys ausserordentliche Reise

 

Das ist Jenny. Sie ist eine zwölfjährige Schimpansin, geboren in der Bulindi-Gruppe im Hoima Distrikt im Westen Ugandas. Eine Woche, nachdem ihre Mutter Joyce in der Eisenfalle eines Bauern gestorben war, verliess Jenny ihre Gruppe und ging auf eine beeindruckend abenteuerliche Reise.

 

Es gehört zum natürlichen Verhalten von weiblichen Schimpansen, im Alter zwischen 9 und 14 Jahren die Gruppe, in der sie geboren wurden, zu verlassen. Dies beugt der Inzucht mit ihren Vätern, Onklen und Brüdern vor und dient der gesunden Durchmischung der Gene. Aber in Westuganda verschwinden die Wälder sehr schnell – sie werden zur Gewinnung von Holz und Ackerland abgeholzt. Wie sollen da die Schimpansinnen Nachbarsgruppen finden?
Jenny vor ihrer Abwanderung

Jenny vor ihrer Abwanderung aus der Bulindi-Gruppe, hier zusammen mit Alpha-Mann Sylvester.

Nach ihrem Verschwinden aus der Gruppe im April 2018 bekamen wir viele Meldungen über Jennys aktuellen Aufenthaltsort. Sie zog auf ihrer Suche nach anderen Schimpansen nach Süden. Im Unterschied zu Bulindi, wo der Anblick von Schimpansen an der Tagesordnung ist, verursachte das Erscheinen von Jenny in den Dörfern im Süden ziemlich viel Aufregung. Wir besuchten die Dörfer persönlich und verbreiteten über Radio die Nachricht über die “verlorene” Schimpansin. Jenny wurde in der Nähe von Dörfern und Handelsplätzen gesichtet, beim Überqueren von Strassen und beim Diebstahl von Jackfrüchten, Mangos und Zuckerrohr.

 

Jenny in Bulindi, bevor sie die Gruppe verliess.

Jenny in Bulindi, bevor sie die Gruppe verliess.

 

Traurigerweise hat Jenny auch nach 12 Monaten Reise immer noch keine andere Schimpansengruppe gefunden! Die nächste Gruppe befindet sich 10 km nördlich und westlich von Bulindi, jenseits von stark befahrenen Strassen und Kulturland mit wenig Wald. Jenny aber war den Waldfragmenten entlang von Sümpfen und Bächen gefolgt, die in die falsche Richtung fliessen: nach Süden, wo es keine anderen Schimpansengruppen gibt. Kurz vor Weihnachten war sie bis nach Kinubi gelangt – eine dicht besiedelte, städtische Gegend von Hoima!

 

Jenny erhielt in der Bulindi-Gruppe viel Aufmerksamkeit von Alpha-Mann Sylvester.

Jenny erhielt in der Bulindi-Gruppe viel Aufmerksamkeit von Alpha-Mann Sylvester.

 

Wir sind froh, dass Jenny immer noch lebt. Doch die vom Menschen dominierte Landschaft ausserhalb von Bulindi ist extrem gefährlich für herumwandernde Schimpansinnen, denn es gibt Hunde, Autoverkehr – bereits zwei Schimpansen fanden seit 2015 auf Hoimas Strassen den Tod –  und Bauern, die nicht an Schimpansen gewöhnt sind. Schimpansen können auch in die Eisen- und Drahtfallen geraten, die einige Bauern aufstellen, um ihre Felder vor Plünderung zu schützen.
 
Ausserdem sind Schimpansen sehr soziale Tiere und Jenny kann auch aus diesem Grund nicht viel länger allein bleiben. Wir können uns nur vorstellen, wie sie sich fühlt – sie hat seit 10 Monaten keinen anderen Schimpansen mehr gesehen oder gehört. Wir hoffen, dass Jenny bald andere Schimpansen findet oder nach Bulindi zurückkehrt. Bis dahin verfolgen wir ihre Reise und klären die Bevölkerung auf.

Die Schimpansen im Hoima-Distrikt

Im Hoima District in Uganda leben ungefähr 300 Schimpansen in schrumpfenden Waldfragmenten, die in Privatbesitz von Kleinbauern sind. Die Abholzung dieser ungeschützten Wälder stellen eine direkte Bedrohung für sie dar.

Diese degradierten Waldfragmente haben einen hohen Erhaltungswert: sie stellen einen Korridor für Schimpansen und andere Wildtiere dar, der die Wälder von Budongo und Bugoma – 50 km voneinander entfernt – miteinander verbindet. Der Hoima-Korridor wurde im IUCN Aktionsplan 2010 – 2020 zum Schutz des Östlichen Schimpansen in Uganda als wichtige Schutzeinheit identifiziert.

Das Bulindi-Projekt

Die Mission des Buldindi-Projektes ist der Schutz der wilden Schimpansen, die in den formal ungeschützten und schwindenden Wäldfragmenten im Hoima-Distrikt leben. Es entwickelt geeignete Mechanismen, die ein nachhaltiges Zusammenleben von Schimpansen und Menschen ausserhalb von Schutzzonen fördert.

Weil das Überleben der Hoima-Schimpansen letztendlich in den Händen der Bevölkerung liegt, konzentriert sich das Projekt schwerpunktmässig auf die Menschen: es zeigt Alternativen zur Abholzung auf, investiert in die Ausbildung der Kinder und erhöht den Lebensstandard. Es begleitet die lokalen Schimpansen und setzt sich für Toleranz und Verständnis ihnen gegenüber ein.

 Mit Ihrer grossen oder kleinen Spende helfen Sie, die Schimpansen im Korridor zwischen Budongo und Bugoma besser zu schützen. Herzlichen Dank!